Jahresberichte der Großkomturei München

 

 

Jahresbericht der Großkomturei München 2012

 

Im Januar besprachen die WB Dr. Hans von Malottki und Ralf Marthaler eine Probe, die sie aus Weinen der Pfälzer Residenz Weinstube in München zusammengestellt hatten. Beide waren als Vorstände des Landesverbandes der Pfälzer viele Jahre als Weineinkäufer für dieses große Weinhaus in der königlichen bayerischen Residenz unterwegs und besitzen eine langjährige Kenntnis von dem vielfältigen Angebot dieser Institution in München. Verkostet wurden nicht nur die umsatzstarken Zechweine des Hauses, sondern auch anspruchsvolle Pfälzer, die allerdings nur einen kleinen Anteil an den150.000 Litern haben, die dort in einem Jahr ausgeschenkt werden. Wir erhielten Einblick in die Einkaufspolitik des Hauses. Bei der Wahl der Weine auf den Einkaufsreisen wird immer blind verkostet. So können auch unbekannte junge Weingüter auf die Weinkarte gelangen. Entscheidend ist zuerst die Qualität, dann der Preis. Die Güter auf der Weinkarte wechseln häufig. Sie decken die ganze Vielfalt der Erzeuger vom Deutschen Weintor im Süden bis zum Zellertal im Norden ab. Damit will der Landesverband der Pfälzer in Bayern als Pächter der Weinstube einen möglichst großen Überblick über das pfälzische Weinanbaugebiet auch in der bayerischen Landeshauptstadt bieten. Wir danken den beiden Weinbrüdern, die uns Anstöße gegeben haben, die Auswahl aus der Weinkarte noch bewußter vorzunehmen, sehr.

 

Am Mi., 8. Februar führte WB Dr. Dirk Klose durch die Charlottenzimmer der Münchner Residenz. Thema der Führung war „Karl Theodor und das Erbe der letzten Herzöge von Pfalz-Zweibrücken“. Ausgangspunkt der Führung war ein Porträt des Kurfürsten Karl Theodor in den Charlottenzimmern.Im Zentrum der Führung standen viele wertvolle Ausstattungstücke, die Max Joseph aus den ehemaligen Zweibrücker Residenzen 1799 mit nach München brachte. Darunter besonders prunkvoll das Paradebett seines Bruders Karl II. August, welches nach Entwürfen von Johann Christian von Mannlich in Paris angefertigt. Weitere Möbelstücke vermittelten das Wohnambiente unter Max I. Joseph in den ehemalige Hofgartenzimmern der Münchner Residenz. Im Anschluss an die Führung fand man sich zum gemütlich Beisammensein in der Pfälzer Residenz Weinstube ein. Herzlichen Dank an WB Dr. Klose.

 

 

 

Am 9. März hielten wir unseren Frühjahrskonvent ab. Unser bisheriger Kanzler Dr. Emil Kuntz wurde auf eigenen Wunsch aus seinem Amt entlassen, und Weinbruder Dr. Berndt Jäger als sein Nachfolger gewählt. Der Großtur ernannte WB Dr. Kuntz für seine Verdienste um die Großkomturei zum Ehren-Großkomtur.

Unser Gast an diesem Tage war Kapitelmeister Dr. Markus Heil, der eine Probe von großen Saarweinen vorstellte. An Hand ihrer Erzeuger erläuterte er die historisch gewachsenen Besonderheiten der Struktur der Weinwirtschaft in diesem Weinanbaugebiet und der Weine von dort. Die Saarweine sind eine Besonderheit, und so wollte es uns nicht einleuchten, daß durch die 2007 erfolgte Änderung aus dem Anbaugebiet MOSEL-SAAR-RUWER durch Umbenennung in MOSEL die SAAR einfach verschwunden ist und somit per Dekret Saar-Weine zu Weinen von der Mosel wurden. Es wurde uns durch seinen Vortrag erst klar, daß das Bundesland Rheinland-Pfalz Weinanbaugebiete von der Pfalz bis zur Mosel und eben Saar umfasst. Weinbruder Bucher stellte sich die Frage, ob man nicht dann Rheinland-Pfalz in WEINLAND-PFALZ umbenennen sollte.

Gleichzeitig nahm Dr. Heil die Gelegenheit war, sich vorzustellen.

Wir haben durch den Vortrag und die wie an einem Faden aufgereihten Perlen der Saarweine viel gelernt und bedanken uns bei unserem Kapitelmeister Dr. Heil noch einmal ganz herzlich.

 

Unter dem Titel „Frühburgunder – Spätburgunder. Wer schlägt wen?“ präsentierte Jochen Neumann am 11. Mai eine Weinprobe mit sechs Wein-Paaren „Frühburgunder/Spätburgunder“ aus Ahr, Nahe und Pfalz. Wir hatten an ihn, der uns als langjähriger Ordenskanzler mehrfach besucht hatte, hohe Erwartungen. Aber die Auswahl der Weine war so besonders (und umfaßte nicht zuletzt eine große 2005er Bockenheimer Frühburgunder Auslese aus seinem eigenen Keller), und der zugehö
rige Vortrag machte uns zu richtigen Frühburgunder-Kennern, so daß er die gehegten Erwartungen weit übertraf.

Und „wer schlägt nun wen?“ Der Frühburgunder war für viele von uns neu. Die beiden Sorten sind unterschiedlich, aber jede hat ihre feinen Besonderheiten. Wir werden in Zukunft einfach beide genießen.

Lieber Weinbruder Neumann - Dir unseren ganz herzlichen Dank für dieses großartige Erlebnis.

 


Freitag, den 13.(!) Juli kam der Sommelier und Dozent an Sommelierschulen Henri Schimpf zu uns und referierte zunächst mit großer Kompetenz und einem herzlichen Charme über Land und Leute im Beaujolais und die großen Unterschiede zum unmittelbar angrenzenden Burgund. Das Anderssein lernten wir zum Beispiel am Ablauf eines Treffens der Weinbruderschaften im Burgund einerseits und im Beaujolais andererseits kennen. Die sechs Rotweine stammten alle aus der Gamay-Traube, unterschieden sich aber beachtlich durch ihre unterschiedliche Bodenbeschaffenheit. Besonders haben ein 2009 Saint Amour aus dem Hause Henry Fessy aus dem nördlichsten Cru, gewachsen auf mit Schiefer durchsetztem Granitboden und ein 2010 Morgon aus der Domaine Marcel Lapierre, der auf Schiefer und verwittertem Fels gewachsen ist, gefallen.

Das Interesse an dem Thema war groß, besonders unsere jungen Mitglieder waren stark vertreten. Alle waren des Lobes voll, wenn wir auch eng Mann an Mann saßen, weil uns die Residenzweinstube nicht unsere dann doch leere Komtureistube geben wollte. Unser Kanzler schreibt dazu: „Meine Frau und ich haben den Freitagabend sehr genossen, der Referent war ein Glücksgriff. Es war eine exemplarische Veranstaltung, wie ich sie mir vorstelle: Weinwissenserweiterung auf abwechslungsreiche Weise und Geselligkeit in angenehmer Mischung. Nur die Raumkapazität war aus meiner Sicht wieder grenzwertig“.

Wir bedanken uns noch einmal herzlich bei Ihnen, lieber Henri Schimpf, und auch bei der Organisation SOPEXA , die uns den Abend gesponsert hat.

 

Im Land der Kirchen und Kvevris Weinkulturfahrt nach Georgien

(22. – 29.9.2012) Neugierig und voller Erwartung fanden sich die zehn Teilnehmer an der traditionellen Weinerkundungsreise der Weinbruderschaft der Pfalz, Großkomturei München am Münchner Flughafen ein, aber was sie diesmal in Georgien als biedere Pfalzweintrinker erwartete, hätten sie sich auch in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Bereits am Flughafen in Tiflis empfingen uns die Plakate  eines emotional, aber friedlich ausgetragenen Wahlkampfes und ein Fläschchen Rotwein. Der kundige  Reiseleiter Rainer Kaufmannn, Inhaber des Reisebüros ERKA, ein Allrounder, der Gastwirt, Fernsehjournalist, Herausgeber der „Kaukasischen Post“ in einer Person war, betreute die Gruppe aufmerksam von morgens bis abends und nutzte seine vielfältigen Beziehungen und Kontakte, um immer etwas Besonders zu bieten.

 

 

 

Georgien ist die Wiege des Weines, wurden doch hier Kerne kultivierter Weinreben gefunden, die auf 6000 Jahre vor Christi Geburt datiert wurden. Was lag näher, als den Schwerpunkt der Reise auf die Entdeckung  dieser uralten Weinkultur zu legen. Diese spielte  sich nicht nur auf dem Gaumen und in der Nase ab, wenn hervorragende Weine zu typischen georgischen Gerichten verkostet oder direkt in den Weingütern probiert wurden, sondern stellte sich auch visuell ein, wenn wir in Kirchen, Klöstern und Museen entdeckten, dass der Wein als Rebe, Traube auch bildlich in der Kunst (kolchischer Schmuck, Kunsthandwerk) und Religion (Rebenkreuz der Hl. Nino) Georgiens immer eine große Rolle spielte. Mehrfach erlebten wir ein georgisches Gastmahl (Supra), das von einem "Tamada" (Tisch- oder Zeremonienmeister) geleitet wird, der nach einem streng festgelegten Ritual Trinksprüche, Lieder, Verse, Bonmots und Weisheiten zum Besten gibt. Diese werden oft von anderen Gästen aufgenommen und die Gedanken weiter gesponnen. Dabei wird versucht, den Vorredner an Spritzigkeit und Weisheit zu übertrumpfen, wobei auf den Tischen die nachgereichten vollen Schüsseln kaum noch Platz finden. Fünf verschiedene Weinproben vermittelten uns nicht nur einen guten Überblick über die Vielfalt georgischer Rot-und Weißweine, die rebsortenrein (z.B. aus Rkatsiteli, Saperavi, Mtswane, Coruli Mtswane, Tavkveri) entweder modern in Stahltanks oder Fässern oder auf alte georgische Weise mit Stielen und Schalen auf der Maische belassen in Tonamphoren (Kvevri, bis zu 2,5 m hoch und bis zum Rand in den Boden eines Marani eingegraben, Fassungsvermögen bis zu 2.500 Liter) ausgebaut werden.


Zwar besitzt Georgien die älteste Weinkultur der Welt, doch erlebte der Weinbau in sowjetischen Zeiten seinen Niedergang, da er zur Massenproduktion gezwungen war und sich nicht mehr auf die traditionelle Art der Weinherstellung konzentrieren konnte. Die Qualität galt wenig, es ging nur noch um die Massenproduktion für den riesigen Markt Russlands. Aber nichts währt ewig, und auf den Ruinen der Sowjetunion wächst heute nicht zuletzt durch die Hilfe deutscher Winemaker und Unternehmer wie Burkhard Schuchmann (Château Schuchmann, Kisiskhevi) oder selbstloser Idealisten, wie Hilarius Pütz, in Winzerfamilien (A. Bedenashvili, Kardenaki) und auf neuen oder wiederbelebten alten Renommiergütern (Château Mukhrani) wieder georgischer Wein, der seine Kraft zurückgewonnen hat, weil die goldenen Regeln der Vorfahren wieder beachtet werden. Dabei gibt es unter den Winzern extreme Einzelgänger, wie den in Deutschland angesehenen Steinmetzkünstler Nika Bakhia, der auf dem winzigen Marani seiner Eltern in Anagi fast klösterlich zurückgezogen ausschließlich in uralter Kvevri-Methode köstlichen Wein in reiner Handarbeit ohne Presse, Hefen und Filter auf natürliche Weise ausbaut. Ein besonderes Erlebnis war auch, zu sehen, wie in Vardisubani die Weinamphoren noch heute in Handarbeit aus Ton geformt, getrocknet und bei über 800 Grad in urtümlichen Öfen gebrannt und anschließend mit Honigwachs innen versiegelt werden. Die Hauptstadt Tiflis, die sich uns in mehreren Spaziergängen erschloss, präsentierte sich durch die leidenschaftliche Bautätigkeit des Präsidenten Sakaschwili in ihren Prachtstraßen durch die wiederhergestellten historischen Fassaden, aber auch durch kühne Neubauten, in denen der Anschluss an die Architektur der Moderne gewonnen werden soll, weltstädtisch nobel. Es gibt zum Beispiel eine spektakuläre Fußgängerbrücke über dem Mtkvari-Fluss, gläserne (!) Polizeistationen und eine nach neuesten ökologischen Gesichtspunkten errichtete Public Service Hall, die es ermöglicht, 400 Bürgern gleichzeitig staatliche und private Dienstleistungen anzubieten. Auf dem Land trifft man freilich noch auf große Armut, schlechte Straßen und oft fehlen Sozialeinrichtungen. Was uns auf den Fahrten durch die herrlichen Landschaften Kachetiens, in den Kaukasus zum über 5000 Meter hohen Kasbek und zu zahlreichen alten Kirchen und Klöstern tief beeindruckte, war die großzügige und herzliche Gastfreundschaft der Georgier, die alles auf den Tisch bringen, was das Haus an Essen und Trinken aufzubieten hat. Begreiflich, dass die Stimmung auf der ganzen Reise bestens war und diese sieben Tage in Georgien bei allen Teilnehmern unvergesslich bleiben werden. Diese bedankten sich am Schluss der Reise beim Initiator und Organisator der Reise, Großkomtur L. Prüfer und allen, die für das Gelingen der Fahrt beigetragen haben.

 


Als Großkomtur Lutz H. Prüfer einen Vortrag mit Weinprobe zu dem Thema „Patentanwalt und der Wein“ (12.10.2012) ankündigte, befürchtete mancher der Teilnehmer, es könnte sich um eine trockene Angelegenheit handeln. Er überraschte jedoch die in großer Zahl versammelten Weinbrüder mit einem sehr lebendigen, anschaulichen und unterhaltsamen Vortrag. Dieser war mit zahlreichen amüsanten Beispielen gewürzt, die aus einem reichen Berufsleben geschöpft waren. Spielten doch für ihn weinkennzeichnungsrechtliche Aspekte immer wieder eine große Rolle. So, wenn es um die Frage ging, ob Weine den Namen eines Schlosses oder eine Anlehnung an eine Bodenformation (Rotschiefer) als Markennamen tragen durften.

 

 

Manchmal ging es auch darum, Dinge als Ausnahme zum Weingesetz 1971 durchzusetzen. So drohte den vier Besitzern der weltberühmten Weinlage „Bernkastler Doktor“ an der Mosel eine Verwässerung des Lagenamens, weil die Lage mit 3,6 ha nicht die im neuen Weingesetz für einen Lagennamen notwendige Größe von 5 ha aufwies. Prüfers Gutachten trug dazu bei, die Exklusivität der kleinen Lage zu erhalten. Das werden ihm viele Weinkenner noch in späteren Zeiten danken, so wie es auch die Weinbrüder enthusiastisch taten, nachdem sie die markenrechtlich diskutierten Proseccos und 5 Weine, darunter eine 1976 Bernkastler Doktor Riesling Auslese, verkostet hatten.

 

Unter dem Titel „Vom Terroir geküsst und vom Winzer veredelt“ stellte uns Ordenskellermeister Stefan Hilz auch in diesem Jahr wieder einen Auszug aus der Großen Pfalzweinprobe 2012 vor.

Natürlich standen die Weine im Bezug zu dem jeweiligen Terroir im Vordergrund. In seiner zweiten Bedeutung war aber auch das „Terroir“, auf dem WB Hilz „gewachsen“ ist, für uns von großem Interesse. Denn seine Beziehung zum Wein schon vom Elternhause her und die daraus resultierenden Freundschaften ermöglichten ihm, besondere Weine zu kredenzen und zu vielen von ihnen Geschichte und Geschichten beizutragen. In der ihm eigenen Weise berichtete er uns ganz nebenbei über die Besonderheiten des Weinjahres 2012, so daß wir schon mit Spannung auf den neuen Jahrgang schauen.

 

 

Lieber WB Stefan Hilz, wir bedanken uns ganz herzlich für den schönen und informativen Abend.

 

Zum Schluß freuen wir uns schon auf einen vorweihnachtlichen Abend, den unser Kanzler WB Dr. Jäger unter Mitwirkung insbesondere unserer Damen und de Dreigesangs gestalten wird.

 

(Großkomturei München)